Nur bei Arthrose oder kann Ernährung auch bei Autoimmunerkrankungen helfen?

Zu Möglichkeit oder „nicht Möglichkeit“ der Einflussnahme der Ernährung auf Autoimmunerkrankungen gibt es viele Theorien und noch mehr Meinungen.

° Patentrezepte – Die Lösung, die XY Diät
° Autoimmunerkrankung kann die Ernährung helfen?
° „Entzündungshemmende Ernährung“ bei „Rheumatoider Arthritis?
° Low Carb oder Keto?

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Patentrezepte – Die Lösung, die XY Diät

Das Beste, die „Empfehlungen“ widersprechen sich nicht nur, manche sind auch richtig gefährlich. Die Studienlage ist nicht überzeugend, es gibt keine allgemein gültigen Beweise für eine heilende Wirkung und auch nicht für „DIE Rheuma-Diät“!

LINK : Entzündungshemmende Ernährung

WICHTIG – vergesst das Wunder (bla bla) und jene, die behaupten das Mittel oder den Weg, die Lösung für jeden und alles gefunden zu haben. Die einzige ganz sicher richtige Aussage ist, alles QUATSCH. Autoimmunerkrankungen sind vielgestaltig und die Mechanismen zu komplex als das sich alle über einen Kamm scheren lassen.

Die richtige Ernährung? Am Anfang ist alles ganz einfach. Die Natur hat es so eingerichtet. Wir kommen auf die Welt und unsere Mutter versorgt uns mit dem perfekten „Mittel zum Leben“ – Muttermilch. Alles drin, alles dran was immer ein Baby braucht, zumindest grundsätzlich.

Sobald wir Menschlein aber nicht mehr mit der Muttermilch auskommen wird es kompliziert. Aus den „Mitteln zum Leben“ werden „Lebensmittel“ oder auf neudeutsch „Wirtschaftsgüter“ an welchem sich Konzerne entlang der gesamten Produktionskette abarbeiten.

Außer der Muttermilch ist mir kein Lebensmittel bekannt, welches uns (zumindest in einer Lebensphase) mit allen Stoffen, die wir für ein gesundes Leben benötigen, ausreichend versorgen könnte! Daraus folgt: Die Basis für eine „gesunde Ernährung“ ist eine möglichst abwechslungsreiche und vielfältige Auswahl an hochwertigen Lebensmitteln.

Vielfalt, hochwertig und die Art der Zubereitung sind die zentralen Punkte.

Nun sind wir Menschen verschieden und nicht jeder verträgt jedes Lebensmittel gleich gut. Es lohnt sich auf seinen Köper zu hören und zu lernen: „Was ist gut für mich und was nicht.“ Es macht wenig Sinn, ohne vernünftige Gründe hochwertige Lebensmittel auszuschließen, egal welcher „Guru“ mal wieder durch die Arena tanzt. LINK : Dazu ein Beitrag der Deutschen Apotheker Zeitung – Nicht jeder verträgt alles

Eines dieser unrühmlichen Beispiele ist die „Paleo – Diät“ und ihr Autoimmunprotokoll. Wie so oft, vieles kam ich nachvollziehen, es macht wenig Sinn, sich dauerhaft mit minderwertigen Lebensmitteln vollzustopfen. Wer aber genau hinsieht, stellt fest, viele gute Lebensmittel werden ausgeschlossen. z.B. Tomaten oder Soja, wegen „vermeindlichem – was?“

Sauerkirsche, lecker und mehr

Im Übrigen, das „Imperium“ schlägt zurück, neuster Trend oder nur „Paleo 2.0“? Es sind jetzt die Lektine – diese bösen, bösen Anti-Nährstoffe, die Schuld an allen Erkrankungen sind. Es ist also das Gemüse, das Obst und die vollwertigen Lebensmittel. Würden diese Lebensmittel tatsächlich die Ursache aller Erkrankungen sein, dürfte ich längst nicht mehr am Leben sein. Nur genau das Gegenteil ist der Fall, es geht mir gut, sehr gut sogar. Jeder Gartler kennt die Giftigkeit einer rohen Gartenbohne und hat wahrscheinlich trotzdem Mengen an leckeren Tomaten gegessen, Lektine hin oder her. Pflanzliche Lebensmittel sind komplex und lassen sich in den seltensten Fällen an nur einem Inhaltsstoff bewerten. Genau diese vielen Inhaltsstoffe machen sie so wertvoll für unsere Gesundheit.

Natürlich, es gibt Menschen, welche keine Tomaten oder keine Sojabohnen vertragen oder allergisch sind. Diese Menschen findet man aber bei jedem Lebensmittel. Nur welchen Sinn macht es, ausgerechnet jene Lebensmittel von vorneherein auszuschließen, welche bioaktive Substanzen mit gesundheitsförderlichen Wirkungen enthalten (z.B. Genistein, kann beispielsweise bei Prostatakarzinomen die Therapie verbessern, … ).

Jedes Lebensmittel macht krank und jedes Lebensmittel ist potentiell tödlich. Es ist alles eine Frage der Menge. Das gilt sogar für Wasser!

Es kommt eben darauf an, denn immer macht die Dosis das Gift!

Wie individuell wir Menschen sind? Selbst wenn es NUR um die Muttermilch geht. Es gibt Babys, welche diese zu Beginn nicht vertragen. Manchmal dauert es etwas, bis das Verdauungssystem reift.

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Autoimmunerkrankung kann die Ernährung helfen?

Diätische Maßnahmen können allerdings sehr wohl Einfluss nehmen. LINK : dazu die Deutsche Rheuma-Liga. Wer mit radikalen Ernährungsformen liebäugelt, sollte sich immer vor Augen führen, dass er dafür unter Umständen einen hohen Preis zahlen muss. Insbesondere die Nieren verzeihen so manches nicht. (Ein Leben mit kaputten Nieren- ein kleiner Einblick. LINK : Die Nephrologen.)

  • Klar Alkohol (auch Bier für Bayern) ist natürlich ein noGO für Autoimmuner, insbesondere in Kombination mit Medikamenten!
  • Und wenn es um unsere Nieren geht – das Wichtigste, um sie möglichst lange funktionsfähig zu erhalten: Blutdruck senken, Nieren freundliche Ernährung (wenig Eiweiß, Salz und ausreichend Flüssigkeit), nicht rauchen und ausreichend Bewegung.
  • Wie gesund ist unsere „Medizin“? Nicht wirklich „gesund“. Ein besonderes Highlight sind unsere Schmerzmittel. Ein wohlüberlegter Einsatz und Dosierung der Medikamente insbesondere auch der NSAR ist unabdingbar. Wie ich bereits erwähnt habe, werden wir leider immer wieder – um schlimmeres zu vermeiden – auf Medikamente zurückzugreifen müssen. Medikamente, welche eine nicht unerhebliche Belastung und Schädigung von Nieren und / oder Leber bzw. von Magen und Darm mit sich bringen können.
  • Eine Ernährung, welche Organe wie Leber, Nieren, …nicht zusätzlich belastet oder gar schädigt, bringt uns schon viel. Eine Konzentration auf Lebensmittel, welche sich günstig auf diese Systeme auswirken, kann durchaus, insbesondere langfristig „den Unterschied“ machen.
  • Es geht um langfristig! Mit „langfristig“ meine ich nicht nur einige Jahre. „Autoimmuner“ dürfen sich egal was nun so angesagt ist, mit diesem Thema bis zum Ende ihres Lebens beschäftigen! Man sollte auch nicht vergessen, viele dieser Erkrankungen verlaufen nicht linear. Es können ohne Medikamente und unter „übelster Ernährung“ beschwerdefreie und symptomfreie Jahre auftreten, im Einzelfall sagt so eine Phase im Zweifel gar nichts.
  • Wir sollten offen sein für Möglichkeiten, dabei aber kritisch bleiben und nicht den „Wunsch“ als Grundlage für eigene Entscheidungen zu nehmen.

Nicht vergessen – Ihr, Du und ich sind kein „Geschäftsmodell“.

  • Die Erkrankung annehmen und versuchen, ihr mit der notwendigen Gelassenheit zu begegnen und nicht krampfhaft zu bekämpfen – das ist kontraproduktiv. Dir bewusst werden über die Interaktion zwischen Psyche und Körper – wir sind ein Gesamtsystem und die Herausforderungen sind vielschichtig – also Du und ich sind OK.
  • Ein Gespür zu entwickeln, für das was uns guttut und was nicht.
  • Übergewicht ist kontraproduktiv.
  • Mangelzustände sind kontraproduktiv.
  • Stress ist kontraproduktiv.Moehren - Beete - Nudel

Eiweiß – das zweischneidige Schwert

Unbestritten ist, dass wir Eiweiß ob nun pflanzlicher oder tierischer Herkunft benötigen. Wenn es um Herkunft und Menge geht werden die Empfehlungen chaotisch. Grundsätzlich – ein gesunder Mensch hält viel aus. Weiter gilt, organisch gesund und die Befindlichkeit gestört – meine Empfehlung > suche Dir das Ernährungskonzept, mit welchem Du Dich wohl fühlst.

Eiweiß tierischer Herkunft ist eine „teuere Ressource“. Eigentlich immer „rein ökologisch betrachtet“ eine Verschwendung, ein Luxusprodukt sozusagen. (Wenn man die notwendigen Ressourcen betrachtet und nicht den Preis welchen wir dafür im Laden zahlen.)

Wenn Du besonders auf Deine Nieren achten solltest oder möchtest, dann rate ich Dir, unbedingt einen Nephrologen aufzusuchen, bevor Du Dich für eine eiweißreiche Ernährungsform entscheidest. Bei leichter oder beginnender Niereninsuffizienz gehen 0,8 g Eiweiß/kg Körpergewicht nach allgemeiner Auffassung in Ordnung. Wenn Du mehr über Nieren wissen möchtest, findest Du hier LINK : Deutsche Gesellschaft für Nephrologie eine kurze Einführung in das Thema.

Phosphate sind notwendig für viele Vorgänge im Körper. Ein schwerer Phosphatmangel kann lebensgefährlich sein. Die Phosphat-Umsetzung ist eng mit dem Kalzium- und Vitamin-D-Haushalt verbunden. Was macht Phosphate dann gefährlich? Natürliches Phosphat aus Hülsenfrüchten und Nüssen wird nicht vollständig vom Körper aufgenommen. Freie künstliche Phosphate werden hingegen vollständig aufgenommen und unser Körper quasi damit geflutet, da kranke Nieren oftmals das überflüssige Phosphat nicht mehr ausscheiden können.

Entzündungshemmende Ernährung bei „Rheumatoider Arthritis“

Ernährungsmediziner an der LMU München konnten in einer LINK : Studie zum 10-Jahres-Verlauf der Rheumatoiden Arthritis feststellen: „Unter dieser Ernährung sehen wir einen deutlich besseren als den erwarteten Krankheitsverlauf bei der Rheumatoiden Arthritis“.

LINK : Entzündungshemmende Ernährung

Die anti-inflammatorische Kost – wenig Fleisch und Wurst, fettarme Milchprodukte, reichlich Fisch, hochwertige Pflanzenöle und viel Obst und Gemüse. Außerdem sei „westliches Essen“ Gift für Rheumatiker und beeinflusse auch die Schwere eines Systemischen Lupus Erythematodes. Unter „westlichem Essen“ versteht man bei der LMU eine fett, zucker- und salzreiche Kost, welche proinflammatorische Zytokine wie Leptin, Adiponectin, Resistin und Viafalin freisetzen.

Arachidonsäure benannt nach „archis = der Erdnuss“ ist eine ungesättigte Fettsäure, im Gegensatz zur vollständig gesättigten Arachinsäure, welche zuerst aus der Erdnuss isoliert wurde. Die Arachidonsäure ist ein weiterer Ausgangsstoff für Entzündungsbotenstoffe und sollte zwar nicht vollständig aber doch überwiegend vermieden werden. Zumal es mit zuckerreicher Ernährung zu einer verstärkten Einschleusung in die Zellen kommt.

Einer der höchsten Gehalte der Arachidonsäure wird in Schweineschmalz (1700mg pro 100g) gefunden. Zum Vergleich Eigelb (297mg pro 100g), Schweinefleisch (120mg pro 100g), Rindfleisch (70mg pro 100g), Huhn (42mg und 100g) und Soja (0). Ok, „Low-Carb“ und „Paleo“ sind immer noch hip, ich bin für „Right- Carb“ weil nichts über eine vielfältige und ausgewogene Ernährung mit ausrechend Bewegung geht.

So, von Gartler zu Gartler, die Steinzeit als Maßstab anzusehen ist ein Witz, oder? Was glaubst Du von dem, was wir heute an Nutzpflanzen kennen, entspricht dem, was es in der Steinzeit tatsächlich an Lebensmitteln gab? Im überigen sind auch Avocado stark züchterisch bearbeitet worden. Und wenn eine Avocado als Paleo gilt, wie kam ein europäischer Steinzeitmensch nach Südamerika, um sich an den Verzehr von Avocados anpassen zu können?

Ich denke, wenn sich jemand an der Steinzeit orientieren möchte, dann sollte er sich am besten genauso viel bewegen wie ein Steinzeitmensch.

Auch wenn es Dir schmecken sollte, auf große Mengen tierischen Fettes, insbesondere auf Schweineschmalz und Innereien vom Schwein sollte man als Autoimmuner ganz verzichten und mit Eiern sparsam umgehen.

Low Carb oder Keto?

Ich für meinen Teil habe mit „tierproteinreicher“ Basiskost abgeschlossen. Nach einer fiesen sehr aktiven Phase mit entsprechenden Medikamenten in den frühen 1980ern, hatte ich trotz aller Mühen etwas zugenommen. Nicht viel aber ich wollte die 4 kg unbedingt wieder loswerden. Man hatte mir damals bereits erklärt das Gewicht, Medikament und Entzündungen ein Problem werden würden und ich solle doch mein Gewicht halten. Also ich, jung und in voller Panik, diese 4 kg müssen wieder weg. Wie auch immer ich damals an die Atkins – Diät gekommen bin, keine Ahnung.

Am Anfang war auch alles gut. Genau solange bis der nächste Schub einsetzte, meine Finger – warum auch immer. Das waren die übelsten Entzündungen meines Lebens. Ich habe diesen Schub damals nur schwer unter Kontrolle bekommen. Na ja – am Ende hat es fast ein Jahr gedauert, bis ich wieder auf Spur war. Diese Lektion hatte ich gelernt – ich und Kortison – danke, diesmal waren 5 kg wieder drauf.

Der zweite Versuch hat dann gut funktioniert. Erst eine runde Heilfasten und dann ein Jahr auf Rohkost. Die Gewichtsabnahme hatte deutlich länger gedauert, aber dafür hatte ich nur zu beginn mit meinem Darm bei der Eingewöhnung etwas Probleme. In den folgenden Jahren bin ich zwar zu „normalerem“ Essen zurückgekehrt aber Rohkost hat meinen Speisezettel nie wieder verlassen.

Gelernt hatte ich in diesen schmerzhaften Jahren, entgegen der damals landläufigen Meinung, dass meine Ernährung sehr wohl Einfluss auf meinen Verlauf bzw. die Intensität meiner Erkrankung hat.

Eine ketogene Ernährung, eine ketogene Diät bringt niemanden um, man verliert Gewicht und man kann auch profitieren z. B. bei Multipler Sklerose.  (Dr. Markus Bock zum Zeitpunkt der Untersuchung an der Charité, Berlin)  Wer sich gerne gesund und ketogen ernähren möchte, der muss unbedingt hochwertige Lebensmittel einsetzen und vorher mit seinem Arzt sprechen. LINK : https://www.apotheken-umschau.de/ ketogene Ernährung LINK : rheuma-ernaehrung.de — Nach meinen verheerenden Erfahrungen, danke nie wieder.

Um Gewicht zu verlieren empfehle ich Bewegung, frische Lebensmittel, angepasste Kalorienzufuhr und einen Verzicht auf Fertiglebensmittel. Wer seiner Gesundheit dabei etwas Gutes tun möchte, wie wäre es, es einmal mit Fasten zu probieren – es kostet nichts! LINK : 3Sat – gesund durch Fasten.

LINK : Studienaufruf      Die Charité in Berlin rekrutierte bis Mitte September 2019 Teilnehmner für eine neue Ernährungsstudie bei MS. Untersucht werden drei Formen der Ernährungstherapie:

  • intermittierendes Fasten
  • adaptierte ketogene Ernährung
  • entzündungshemmende Ernährung.

Ich bin gespannt! MS ist zwar ein Sonderfall aber vielleicht können alle Autoimmuner von diesen neu gewonnen Erkenntnissen profitieren.

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