Anzucht – Jungpflanzen „Made at Home“

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Überschüsse -> LINK : gesünder konservieren

Kaum ist Weihnachten vorbei geht es an die 3W´s im Küchengarten. »Was – Wann – Wohin« für viele Gartler welche die unglaubliche Vielfalt der essbaren Pflanzen für sich entdeckt haben, eine schwierige Zeit. Da ist diese Vielfalt auf der einen Seite und das unheimliche Eigenleben des Gartens auf der anderen Seite.

Dieser verdammte Garten, zur Aussaat ist meiner immer zu klein und ich werde gezwungen eine Auswahl zu treffen. Wenn sich dann der Sommer nähert und ich gieße und gieße und gieße und ich ernte und ernte und ernte und einmal wieder die Erkenntnis in mir reift: „WOW, wie groß mein Garten doch ist“ und ich darüber nachdenke „wer soll das alles wann essen?“. [ enthält :o) Werbung :o) ]

Also spätestens im Januar ist es Zeit, sich ernsthaft mit den 3W`s zu beschäftigten.

° Welches Saatgut, welche Nutzpflanzen?
° Anno dazumal – Ein Blick zurück
° Übersicht Keimfähigkeit gängiger Gemüse
° Anno dazumal – Mitten im Winter

Welches Saatgut, welche Nutzpflanzen?

Viele Menschen denken, wenn es um Nutzpflanzen geht, primär an Ertrag und dann an den Geschmack. Erfahrene Gärtner denken zusätzlich über Resistenzen, Krankheits- und Schädlingstoleranz, Klima- und Bodenbedingungen, Ernteperioden, Fruchtwechsel und Nährstoffbedarf nach.

Samen Saatgut Auswahl Gemüse Küchengarten Sortenerhalt

Langweilig – echt?

Irgendwann fängt man an, sich zu fragen, warum man ständig das gleiche Saatgut erneut kaufen soll. Schließlich haben z.B. auch die geernteten Paprikafrüchte viele Samen.

Arten – Sorten? Vereinfacht ausgedrückt, in Arten werden natürlich vorkommende Pflanzen nach ihrer Zusammengehörigkeit unterteilt. Als Sorten oder Kultivare bezeichnen wir die Pflanzen einer Art, welche der Mensch durch »Züchtung« mit unterschiedlichen Eigenschaften ausgestattet hat. Typischerweise entstanden viele Sorten durch Anpassung an den Standort, Selektion der besten Exemplare und wiederholten Anbau.

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Mich nervt es, dass ich heutzutage bei fast allem zweimal hinsehen muss. Oftmals sind die Dinge nicht, wie ich es erwarte und schon gar nicht, wie ich es gerne haben möchte.

Wer Saatgut im regionalen Fachhandel oder Baumarkt erwirbt, der findet in der Regel nur die großen Anbieter und überwiegend F1-Hybriden vor. Nein, nichts gegen F1-Hybriden und auch nichts gegen die allgegenwärtigen Markennamen. Es ist nur – Samen haben eine begrenzte Haltbarkeit, eine Sorte überlebt nur, wenn sie regelmäßig angebaut wird.

Die Pastinake, Petersilie oder auch der Dill verlieren bereits nach 1-2 Jahren viel ihrer Keimfähigkeit. Bei nicht optimaler Lagerung geht dies noch viel schneller. In den letzten Jahren sind viele unserer Gemüsesorten verschwunden. Die Industrie-Hybriden sind für zukünftige Züchtungen leider wertlos, sie müssen regelmäßig vom „Hersteller“ erneut »GEBAUT« werden, da sie nicht stabil sind.

Wir haben viele unserer Nutzpflanzen bereits verloren und bei dem Gedanken an den Klimawandel und dem wie sich 2018 bzw. 2019 in meinem Garten gezeigt haben, wird mir unwohl. Vieles was immer gut funktioniert hatte, keine Chance. Genetische Armut und Anpassungsfähigkeit gehen nicht zusammen. (In den letzten 100 Jahren seien laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) rund 75% der Vielfalt an Kulturpflanzen verloren gegangen.)

Ein Blick auf folgende Seite ist durchaus lohnenswert: http://www.weltagrarbericht.de/themen-des-weltagrarberichts/saatgut-und-patente-auf-leben.html und diese http://kulturpflanzen-nutztiervielfalt.org ist auch nicht verkehrt.

Manchmal hilft auch ein Blick zurück. Wo „unser“ Gemüse so herkommt: ° Anno dazumal – Ein Blick zurück

Wenn Du dein Saatgut nicht unbedingt im Supermarkt oder Baumarkt kaufen möchtest, kannst Du Saatgut auch von verschiedenen Vereinen und Initiativen über das Internet bestellen. Achtung nun folgt Werbung :)

Unbedingt empfehlen möchte ich Dir, einmal auf einer Saatgutbörse vorbeizusehen. Der Verein für Nutzpflanzenvielfalt pflegt eine umfangreiche Veranstaltungsliste.

>>> LINK : Termine Saatgutbörsen

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LINK: Anzuchtstation

Wie lange Samen tatsächlich keimfähig bleiben hängt von Pflanzenart und Lagerung ab. Es ist auch nicht so, dass zu einem Zeitpunkt X schlagartig alle Samen ihre Keimfähigkeit verlieren. Allerdings steigt die Ausfallrate und Keimdauer mit zunehmendem Alter deutlich an.

Die Arche Noah gibt einen P50-Wert an. Also die Dauer in Jahren bei der noch 50% der Samen ihre Keimfähigkeit besitzen. Grundsätzlich muss man kein älteres Saatgut wegwerfen. Wer genügend Samen hat, kann frühzeitig eine Keimprobe machen. Ich zum Beispiel säe einfach mehr aus und behalte dann von den auflaufenden Pflanzen die BESTEN. Alternativ ziehe ich alte Samen separat in Schalen an, um im Zweifel nicht ein ganzes Beet für nichts zu blockieren. Ja, es gibt Ausnahmen, die Pastinake hat mich schon so geärgert, die nehme ich nur noch aus dem Vorjahr.

Die Lagerung von Samen sollte am besten kühl, trocken und unter Luftabschluss erfolgen.

 

Übersicht ungefähre Keimfähigkeit

Dauer in Jahren
1 – 2 Problem Saatgut – Pastinake, Agretti, Zwiebel, Schwarzwurzel, Fenchel, Möhren, Lauch, Kümmel, Schnittlauch, Dill
2 – 3 halten die meisten Samen durch
4 – 5 Bohne, Erbse, Kohlsorten, Kresse, Radieschen, Rettich, Kopfsalat, Chicorée, Melde, Kapuzinerkresse
über 5 Gurke, Kürbis, Melone, Zucchini, Sellerie, Endivie, Tomate, Kohlrübe, Basilikum, Aubergine, Beete, Mangold

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Anno dazumal – Ein Blick zurück

Sehr zu empfehlen >> Dokumentarfilm auf Youtube (1492 Der Kolumbus Effekt Dokumentation deutsch) ca. 1 Stunde 31 Minuten.

Nur mal so, wo „UNSERE“ Nutzpflanzen und „UNSER“ Essen so herkommt. Stellt Dir einmal vor „deutsche traditonielle Küche“ ohne diese zugewanderten Nutzpflanzen.

Wir aus der „Alten Welt“ waren, sind dabei echte Gewinner. Im Wesentlichen haben wir folgende Nutzpflanzen gewonnen: Mais, Kartoffel, Erdnüsse, Tomaten, Kürbisse, Ananas, Papaya, Avocados, Kakao, Paprika, Süßkartoffel, Tabak, Vanille und Maniok. Aber auch Physalis und Tomatillo (diese kommen vermutlich aus Amerika, wobei es auch eine europäische Lampionblume gibt) und die Pepino stammt vermutlich aus Peru.

Und was ist mit den Bohnen?

Aus der „Neuen Welt“ stammen die Phaseolus – Arten – dazu gehören die Limabohne, die Feuerbohne, die Gartenbohnen (Buschbohne, Stangenbohne, Nierenbohne, Perlbohne, Pintobohne, …).

Zu den „Alte Welt“ Bohnen mit wahrscheinlicher Heimat Asien oder Afrika gehören die Vignabohnen. Beispiele sind die Adzukibohne, Urdbohne, Mungbohne, die Spargelbohne oder die Augenbohne.) Dazu zählt aber auch die bereits sehr früh (einige tausend Jahre v. Chr.) nach Europa gekommene Vicia faba Bohne, also unsere Ackerbohne (Saubohne, dicke Bohne).

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Auch das Chinarinde, Grundstoff für Chinin – das klassische Malariamittel. Es wirkt schmerzstillend, fiebersenkend und in Form von Chininsulfat krampflösend. Übrigens, im Mittelalter und bis Mitte des 20. Jahrhunderts war die Malaria auch in Süd-, und in Mitteleuropa verbreitet! Zum Beispiel: Marschenfieber – Norddeutschland.

Was verdanken wir den Römern?

Die Uni Köln nennt Kirschen, Pflaumen, Wein (Reben) und Petersilie als sicher römischen Ursprungs. Bei ihren Forschungen konnten sie: „In den germanischen Siedlungen so gut wie keine Gewürze, kein Gemüse und kein Kulturobst finden“. Nur das bedeutet nicht zwingend, dass es keine dieser Pflanzen bei uns bereits gab. Erste Kulturformen der Wildformen von Apfel usw. seien aber klar römisch.

Bei den Römern gab es zu dem Getreide auch noch Aprikosen, Beifuß, Dill, Fenchel, Lauch, Koriander, Anis, Kümmel, Pfeffer, Liebstöckel, Basilikum, Sellerie, Sesam, Minze, Zwiebel, Nelken, Olivenöl, Ingwer, Lorbeerbeeren, Majoran, Estragon und Asant, Gurken, Kamille, Knoblauch, Mandeln, Marone, Muskatsalbei, Pastinak, Pfirsich, Ringelblume, Roggen, Hirse, Rosmarin, Sauerkirschen, Schnittlauch, Spargel, Walnuss, Wegwarte, Zitronenmelisse, Gartenmelde, Schild-Ampfer, Grüner Fuchsschwanz und Zwetschgen.

Was kam VOR den Römern?

Je nach Quelle kann man davon ausgehen, dass vor ungefähr 7200 Jahren die Jäger und Sammler zu Bauern wurden. Die damaligen Nutzpflanzen Emmer, Linse und Erbse stammen aus dem Vorderen Orient und seien über den Balkan zu uns gekommen. Der Mohn allerdings habe seinen Ursprung im westlichen Mittelmeerraum.

Bei den Germanen gab es bereits Weizen, Gerste, Bohnen (Ackerbohne), Lein und Rüben. Dazu Nüsse, Pilze, Beeren und Wildobst. (http://www.germanen-und-roemer.de) Als Ursprung der Wildgerste ist der „Nahe Osten“ nachweisbar. Wobei die Gerste bereits seit der Jungsteinzeit 5500 v. Chr. in Mitteleuropa angebaut wird. Weizen ist vermutlich das zweitälteste Getreide. Ursprung ist der Vordere Orient, in Europa aber erst mit der Weißbrot-Mode ab dem 11. Jahrhundert stärker verbreitet. Zuvor dominierten Einkorn, Emmer und Gerste.

In einem Papier der Uni Hohenheim ist beschrieben, dass in Süddeutschland bereits in der Jungsteinzeit Kümmel und Petersilie bekannt waren, dazu Wildapfel, Wildbirne, Vogelkirsche, Haselnuss und die Schlehe, sowie Himbeere, Brombeere und Erdbeere. (Nur um klarzustellen, unsere heutige Gartenerdbeere kommt nicht aus Europa!) Dinkel wird ab der Bronzezeit gefunden, in geringsten Mengen wohl auch Roggen und Hafer. In der Ukraine auch der Buchweizen. Die „Wilde Möhre“ ist eine einheimische Pflanze, die Gartenmöhre vermutlich eine Kreuzung mit einer südeuropäischen Art.
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Mitten im Winter

Ja, bereits im Winter geht es los für eine erfolgreiche Ernte bei Paprika, Chili, Auberginen, Physalis und Pepino, die Tomaten haben noch Zeit.

Bei mir beginnt die „warm“ Gemüse – Saison spätestens im Januar mit der Entscheidung, ob ich Jungpflanzen zukaufe oder selbst anziehe. Obwohl die Vielfalt im Jungpflanzenangebot die letzten Jahre stark zugenommen hat, ist es nichts gegenüber dem, was einem bei einer eigenen Anzucht zur Verfügung steht. Ganz grob, es braucht so ungefähr 60 – 75 Tage von der Aussaat bis zur Pflanzung.

Ein kleiner Tipp: Nur so viele Pflanzen anziehen, wie auch bis zur Pflanzung GUT untergebracht werden können!! Ommm :)

Viele Samen, so auch Paprika und Chili können durch einweichen, z.B. in Kamillentee bei der Keimung unterstützt werden. Kleine Behältnisse mit magerer Erde, einem Sand / Kompost – Gemisch oder Aussaaterde füllen. Paprika und Chili benötigen zur Keimung eine Temperatur über 20°C (Optimal sind 25°C) und für ein kompaktes Wachstum viel, viel Licht. Jungpflanzenanzucht Pflanzenbeleuchtung

Ein frühes Pikieren (im Keimblattstadium) vermeidet unnötige Wachstumsverzögerungen. Pikiert werden sollte in mindestens 10 cm große Töpfchen. Als gut geeignet haben sich die 500 g Joghurt-/ bzw. Buttermilchbecher gezeigt. In diesen Bechern haben die Pflanzen für den Fall einer witterungsbedingten „Auspflanzverzögerung“ mehr Reserve als in den üblichen Pflanztöpfchen. Als Pikiersubstrat eignet sich ein durchlässiges mit ein wenig Mehrnährstoffdünger aufgedüngtes Substrat. Eine Mischung aus Kokossubstrat, Kompost und Sand funktioniert eigentlich sehr gut.

Die weitere Kultur sollte kühler bei 16-18°C und viel Licht erfolgen. TIPP – sparsam gießen – die Trauermücken lauern immer, besonders in torffreiem Substrat!

LINK : Anzucht in Bildern

Kräftige Jungpflanzen sind die Basis für gesunde Pflanzen und damit letztlich auch für einen guten Ertrag. Die Jungpflanzen sollten bereits eine entsprechende Größe haben – überständige Pflanzen reagieren allerdings mit Wachstumsstockungen. Der ideale Pflanzzeitpunkt ist, wenn die Königsblüte (erste zentrale Blüte) noch nicht geöffnet ist, beim Pflanzen kann diese dann entfernt werden.

Wenn Du bisher Probleme bei der Anzucht von kompakten Jungpflanzen hattest, dann findest Du in meinem eBook die Anzuchtstation Informationen rund um eine erfolgreiche Jungpflanzenanzucht (von Tomaten, Paprika, Chili, Aubergine, Physalis) und wie Du Dir eine Anzucht-Station schnell und einfach selbst bauen kannst.
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