Arbeit gibt es immer

Wasser, richtig gießen kann doch jeder?

Ein Garten ohne Wasser und ohne fruchtbaren Boden? Nur eine furchtbare Vorstellung und oder grausige Zukunft? 2018 ist ein verdammt trockenes Frühjahr bei uns und der Füllstand meiner Zisternen macht mir Sorgen.

richtig Gießen Trockenheit Dünger

Regenmengen kumuliert von von Januar bis 22.05.2018, ja bei bei mir ist es hell grün in 2018 und war es in 2017. Das war weniger als 50% zum Vergleichszeitraum von 2016 und 2015. Und in ganz Deutschland? Viel grün und sehr viel helles grün.

Richtig trocken, ja es ist richtig trocken und dies ist keine Einbildung.

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Das Frühjahr wird trockener, keine Frage.

Es wird ernsthaft Zeit sich mit etwas scheinbar Profanem wie dem Gießen zu beschäftigen. Was treibt mich um? Wie viel Wasser brauchen meine Pflanzen und wie gieße ich richtig und kann ich den Wasserbedarf senken?

Richtig Gießen

Es hatte geregnet ca. 0,5 mm. Das bischen Regen reichte nicht einmal um meine Mulchdecke zu befeuchten. Unter den Bäumen, den Mulchscheiben und die Erde – alles ist staubtrocken.

Wie viel Wasser brauchen Pflanzen? Die „Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau“ hat in einem Betrag zum Thema „Richtig gießen“ geschrieben, Zitat: „Jeden Abend gießen? Das ist auch im Hochsommer nicht nötig – wenn man seltener und dafür aber durchdringender gießt. >> sparsam gießen heißt: Morgens gießen, wenn die Pflanzen feucht und kühl sind. Dann verdunstet auch weniger Wasser. 10 bis 20 Liter Wasser je qm – also auf jeden qm eine große Gießkanne (10 Liter) Wasser, sei für viele Kulturen genau richtig. Diese Menge Wasser benötigt aber über 2 Stunden Zeit, um in die Wurzelzone einzusickern. Also geht man in mehreren Gießgängen über die Fläche. Dafür hat man ein paar Tage Ruhe und muss nicht gießen.“

UND nun die wichtigere Information: „Viel Wasser spart, wer am Tag nach dem Gießen die Bodenoberfläche leicht auflockert und anschließend am besten mulcht, zum Beispiel mit Grasschnitt. Wer allabendlich über die Pflanzen gießt, schafft wunderbare Bedingungen für Schnecken und Pilzkrankheiten.“ !!!! (Quelle: https://www.lwg.bayern.de im Gemüseblog 2017)

Aha, wie viel qm Beete und Kübel muss ich noch einmal gießen? Natürlich muss ich jeden Tag gießen aber nicht jeden Tag alles, sondern nur einen Teilbereich. Das ist nämlich eine ganz ordentliche Menge Wasser und ganz schön viel Zeit! 10 l pro qm sind 100 l auf 10 qm und 1000 l auf 100 qm. Wie viel sind 100 qm? 10 m X 10 m oder 5 m x 20 m. Wenn ich nun nur die bepflanzten Bereiche zähle und 1 qm um jeden Baum bzw. Strauch ziehe, dann die Beete dazu addiere? Kommt schon hin, 100 Gießkannen also. Und die kleineren Pflanzgefäße auf der Terrasse? O. K. die zählen nicht mit.

UND die Bodenart? Lehmiger Boden sollte länger gegossen werden als sandiger Boden. Dafür muss sandiger häufiger als lehmiger Boden gegossen werden. Also, gießen alle zwei bis vier Tage, die schweren Böden kommen mit einmal richtig Wasser die Woche aus. Ich erfreue mich an einer Sandgrube und darf häufig dafür kürzer gießen.

UND was ist mit Tomaten? Auf einem lehrreichen Vortrag der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf der Abteilung Gemüsebau habe ich über die Tomate folgendes gelernt, ich zitiere: „Bewässerung, richtig ausgeführt ist sie aktiver Pflanzenschutz, mobilisiert Nährstoffe, bei zu hohen Wassergaben kann es aber zu Nährstoffauswaschungen kommen … .“ Zudem ist der Wasserbedarf sehr stark vom Entwicklungszustand und Endgröße der Pflanze abhängig. Bei vollem Behang und bedecktem Himmel ca. 1,2 Liter pro Pflanze UND bei klarem sonnigen Himmel bis zu 2,4 Liter pro Pflanze und Tag. Als optimaler Besatz werden 2,5 Pflanzen pro qm angegeben. Zu Beginn der Vegetationsperiode mit zwei Blüten- bzw. Fruchtständen liegt der Wasserbedarf bei 0,3 bis 0,6 Liter pro Pflanze und Tag.

UND die Bäume? Neu gepflanzte Bäume oder Sträucher angießen, weiß jeder. Nur viele vergessen, dass die Pflanzen – je nach Bodenart – mehrere Jahre brauchen können, bis sie ausreichend gut eingewurzelt sind. Erst dann können sie sich auch in längeren Trockenperioden selbst versorgen. Generelle Aussagen über die Menge der Wassergaben und deren Häufigkeit sind kaum möglich, da es vom Standort und vom Wurzelvolumen abhängt, und auch davon, wie schnell der spezifische Baum einwurzelt.

UND welchen Einfluss hat das Düngemittel?
Die wichtigsten Eigenschaften eines Düngemittels sind Nährstoffgehalte, Nährstoffverfügbarkeit und Nährstofffreisetzung. Die Pflanzen nehmen die Nährstoffe in mineralischer Form gelöst in Wasser auf, sie können es nicht anders. Die Freisetzung bei organisch gebundenen Nährstoffen erfolgt mikrobiell und ist damit unteranderem wesentlich abhängig von Umweltbedingungen wie Temperatur UND Feuchtigkeit. Niedrige Bodentemperatur UND Trockenerboden UND kühle Nachttemperatur? Da geht nicht viel.
Unter „normalen“ Bedingungen stehen 50% der Nährstoffe bei Horngries nach 6 Tagen, bei Schafwolle aber erst nach 27 Tagen zur Verfügung. Es gibt in meiner Gegend Schafe und daher verwende ich seit Jahren Schafwolle als Stickstoffdünger. Zwischenzeitlich habe ich lernen müssen, mit den Wetterkapriolen muss ich gemischt düngen, sonst wird es nichts! Trockener organischer Dünger – düngt nicht! LINK : Natürliche Dünger: Hornspäne und Hornmehl, Zitat: „Um die Entwicklung und das Wachstum von besonders anspruchsvollen Pflanzen zu fördern, sollten Horndünger im Frühjahr auf sehr mageren und trockenen Böden nur in Kombination mit Humus eingesetzt werden!“ Wenn das für Horndünger gilt, dann natürlich insbesondere für Schafwolle.

Inkagurke Nach Fluessig Duengung

Links eine Inkagurke mit einem kräftigen Blatt, darunter sind nur zwei helle kleine Blätter. Das kräftige Blatt entwickelte sich nach der zusätzlichen Düngung. Rechts, zeigt meine Erbsen. Große kräftige und üppige Pflanzen in der gleichen Erde. Erbsen holen sich den Stickstoff aus der Luft.

Kuerbis Mit Und Ohne Zusaetzlichen Fluessigduenger Trockenheit

Der gleiche Kürbis, zusammen gesät und gepflanzt, mit gleicher Basisdüngung und Wässerung. Der rechte Kürbis bekam meine leichte Flüssigdüngung wegen der langen Trockenheit zusätzlich. Die Aufnahme entstand am Mittag.

UND wie ist das mit den beliebten Gießtrichtern bei Tomaten oder der Tropfbewässerung?
Ein großer Vorteil der partiellen Bewässerung liegt in dem effizienten Wassereinsatz und insbesondere bei der gleichmäßigen automatischen Tropfbewässerung. Ein weiterer Vorteil ist die reduzierte Luftfeuchtigkeit, die Blätter werden nicht nass. Die gleichmäßige Bewässerung verhindert auch das Platzen der Früchte. Der große Nachteil ist die nur partielle Befeuchtung der Erde, damit sind natürlich auch nur die Nährstoffe im Feuchtbereich für die Pflanzen verfügbar. Bei langanhaltender Trockenheit und ausschließlich partieller Bewässerung und organischer Düngung ist das natürlich bei Starkzehrern in der Hauptwachstumsphase eine Katastrophe. Im Profianbau werden die Nährstoffe einfach bedarfsgerecht mit getropft.

UND wie ist das mit dem Mulchen? Mulchen benötigt zunächst Stickstoff, welcher erst zu einem späteren Zeitpunkt wieder verfügbar wird. Dazu noch ein Zitat aus der „Natürliche Dünger: Hornspäne und Hornmehl“ : „Wer seine Beete mulcht, um das Unkraut zu unterdrücken, sollte unbedingt Hornspäne unter das Substrat mischen. Rindenmulch benötigt für die Zersetzung jede Menge Stickstoff. Dieser wird dem Boden entzogen und muss wieder zugeführt werden. Hornspäne sorgen dafür, dass der Mulch zuverlässig in Kompost umgewandelt wird.“ Einen guten Beitrag zum Thema LINK : „Richtig Mulchen“ beim oekogarten-voelklingen.de  . Zitat: „Zusätzliche Düngung oft nicht erforderlich. Durch ständige Mulchschichten bleibt unser „Garten-Abfallmaterial“ im Kreislauf. Zusätzliche Düngung wird nur noch bei Pflanzen mit bestimmten Nährstoffansprüchen notwendig.“ Betonung auf ständige Mulchschicht!

Eine ganz einfache „Patentlösung“ für alle Kulturen und alle Böden gibt es nicht. Mulchen und die Kenntnis über seinen Boden und die Bedürfnisse seiner Pflanzen helfen natürlich sehr, bei stark zehrenden Kulturen wie Tomaten oder Kürbissen und anhaltender Trockenheit ist es nötig, insbesondere bei organischer Düngung auch auf die Nährstoffversorgung zu achten. Ich gieße in diesen Zeiten regelmäßig mit „sehr dünner Vinasse-Jauche-Mischung“ nach, um etwaige Wachstumsstörungen in Grenzen zu halten. Natürlich muss man dies bei der Gesamt-Düngemenge berücksichtigen. Wer eine Quelle für günstige Vinasse sucht LINK.

Hallo DWD, könnte es nicht einfach ausreichend regnen?
Freundliche Grüße nach Offenbach aus dem leicht gestressten Küchengarten.