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Schreckgespenst glutenfrei, weizenfrei, vegan, laktosefrei

Glutenfrei oder weizenfrei sind zwischenzeitlich merkwürdige Schlagworte, so ähnlich wie vegan oder vegetarisch, fast erinnert es mich an Kampfparolen aus dunklen Zeiten. Die einen feiern jede noch so labortechnisch aufbereitete Zutat wie einen Messias um nur auf nichts Verzichten zu müssen, die anderen meiden glutenfreie bzw. weizenfreie Rezepte wie der Teufel das Weihwasser.

Glutenfrei, weizenfrei, laktosefrei, vegetarisch oder vegan sind Wörter, welche Eigenschaften von Lebensmitteln bzw. Speisen beschreiben. Sie sagen grundsätzlich nichts über deren Qualität aus. Sie sagen auch nichts über den gesundheitlichen Wert, deren Preiswürdigkeit oder Geschmack aus.

Wir und unsere Vorurteile.

Soja-Drink, Pflanzendrinks wie Mandelmilch sind genau wie weizen- bzw. glutenfreies in den Köpfen vieler „per Definition“ schlecht, weil diese angeblich immer künstlich hergestellte Zusatzsoffe enthalten.

Das ist Humbug. Soja–Drinks bzw. Soja-Joghurts sind nur dann Zusatzstoff-Cocktails, wenn man ihre Herstellung der Industrie überlässt, ja die überwiegende Mehrzahl dieser Produkte besteht aus viel zu vielen Zusatzstoffen! Genauso wie jedes der anderen Fertiglebensmittel auch. Angefangen vom Weizenbrot aus dem „billig Backshop“ bis zu dem fertig „Pudding mit Sahnehäubchen“. Wie bitte soll Schlagsahne über mehre Tage standfest bleiben, wenn nicht mit Zusatzstoffen aus dem Labor?

Ich komme mir manchmal vor wie im Kindergarten. Nur weil die Industrie Rezepte mit Weizenmehl, Milchzucker, Zucker, … maximal streckt? Irgendwo muss die Marge, der Profit schließlich herkommen.

Mandelmilch auch so ein moderner Kram? „Libellus de arte coquinaria“ ist eine der „Rezept“ Handschriften aus dem frühen 13. Jahrhundert. Mandelmilch: 100 g Mandeln und 500 ml Wasser. Die Mandeln wurden zuerst blanchiert, anschließend die braunen Hüllen entfernt, dann vermahlen und mit warmen Wasser ziehengelassen. Fünf Stunden später wurde die Flüssigkeit gefiltert.
Und Heute? Selbst gemachte Mandelmilch, wird wie damals hergestellt. Allerdings verfüge ich über einen modernen leistungsfähigen Mixer und in der Regel nehme ich auch etwas weniger Mandeln, 10 – 15% reichen meist aus. Industrieware variiert sehr stark, 2% Mandelanteil war das unverschämteste, was ich bisher gesehen habe. Mandelmilch immer Selbermachen, kaufen lohnt eigentlich nie.

Homogenisierte Kuh–Milch? Vollmilch ist ein „Resynthese-Produkt“  – erst wird die Milch in Einzelteile zerlegt und anschließend wieder zusammengebaut. Wirtschaftlichkeit FIRST? Ist das schlecht? Keine Ahnung, ich vertrage keine Kuhmilchmilchprodukte. Natürlicher ist homogenisierte Milch jedenfalls nicht. Allerdings habe ich mit „homogenisierter Schafmilch“ auch kein Problem, so vermute ich – liegt mein Problem nicht am Herstellungsverfahren der Milch.

Vegan und vegetarisch sind gut weil..? Sind schlecht weil …? Vor allem weil wir uns dies einbilden!

Ein typisches Beispiel, die italienische Pasta. Die „Pasta secca“ seit 500 Jahren vegan und wird aus Hartweizengrieß und Wasser hergestellt. Das Reinheitsgebot aus Genua von 1547  (vimeo aktuell Probleme mit Firefox).

Die Italiener haben sogar ein Nationales Pasta – Museum, großartig! Allerdings ist es zur Zeit wegen Renovierung geschlossen. Museo Nazionale delle Paste Alimentari.

Es gibt viele klassische Speisen auch Gebäck, welche qualitativ hochwertig schon immer ohne Weizenmehl hergestellt wurden, das heißt, schon immer glutenfrei und oder vegan waren.

Zu Weihnachten zum Beispiel >> Elisenlebkuchen >> Süßkartoffel-Pralinen

Warum dann die Deklarationen, ist doch selbstverständlich? Leider nein. Niemand weiß was die Industrie zusammenmischt! Wer kommt auf die Idee eine Wurst als laktosefrei zu deklarieren? Die Lebensmittelindustrie setzt heute zur Verlängerung von Haltbarkeit, Erhöhung der Gewinnmargen, der Geschmacksmanipulation und Verbesserung der maschinellen Verarbeitbarkeit irgendwie alles ein und niemand weiß mehr, was worin enthalten ist.

Noch schlimmer finde ich allerdings, dass viele Verbraucher nicht mehr wissen wie Lebensmittel in „WIRKLICHKEIT“ schmecken und aussehen oder wie sie verarbeitet werden. Offensichtlich ist ein Mehl heute nicht mehr zum Backen geeignet, eine Mehlverbesserung scheint zwingend notwendig. Wenn es Dich interessiert, ein Blick in die Mühlenchemie zur Mehlverbesserung! Ich frage mich nur für wen?

Ein einfaches Roggenbrot aus dem Küchengarten besteht aus drei Zutaten: Wasser, Roggenmehl und Salz. Bio – Roggenmehl aus Roggen und sonst NIX! So sieht es aus und schmeckt.

 

Roggenbrot Roggen Wasser Salz Sauerteig 100% Backautomat selbstgemacht im Küchengarten