Hummelglück

Die Dirndl auch ein Liebling

Der Begriff Dirndl ist Dir nicht bekannt, aber vielleicht sagt Dir Kornelkirsche, Cornus mas oder gelber Hartriegel was. Auch nicht? Macht nichts, Du wirst sie kennenlernen. 

Ein Garten, mein Garten ohne Dirndl? UNMÖGLICH! Dabei habe ich jahrzehntelang ohne Kornellen gelebt, ich kannte sie nicht. Aus heutiger Sicht unvorstellbar.

Meine Mission heute – Dich überzeugen, denn auch Du brauchst eine Kornelkirsche in Deinem Garten – jeder Garten braucht eine Kornelkirsche!

Du hast keinen Platz mehr im Garten? Egal, dann mache einfach welchen. In jedem Garten findet sich ein Busch oder Strauch, der kränkelt, nicht mehr schön aussieht, ewig von irgendwelchen Schädlingen befallen oder ökologisch nutzlos ist. Weg damit und Kornelkirsche rein! Es gibt viele Gründe für die Kornelle: Die wichtigsten Punkte in Kurzform:

  • perfektes timing – für die Seele
  • lecker
  • schön
  • gesund
  • anspruchslos
  • schnittverträglich
  • ökologisch wertvoll

Perfektes Timing – Anfang und Ende:
Meine Kornelle beginnt mit der Blüte je nach Witterung im Februar oder März, aber immer vor der Forsythie. Wenn die Dirndl blüht, weiß nicht nur mein Gehirn – der Winter ist bald vorbei. Ihr zartes Gelb an einem strahlenden Spätwintertag ist einfach bezaubernd. Dieses erste sichere Gefühl von „Frühling kommt“ garantiert ihr einen festen Platz in meinem Garten und Herzen.
Manche behaupten, dass sie durch ihre extrem frühe Blüte frostgefährdet sei. Diese Aussage kann ich nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil, meine Dirndl trägt jedes Jahr Früchte, Frost früh oder spät, ob Dürre oder Sintflut.

Mit den Kornellen hört die Obsternte im Küchengarten nicht auf, schon klar, ABER die Kornellen ähneln geschmacklich und optisch den Sauerkirschen. Damit gibt sie meiner verqueren Seele mehr Zeit Abschied zu nehmen, vom Frühjahr und vom Sommer, in diesem Punkt bin ich nicht so schnell. Kirschen naschen im September oder Oktober hat schon was. Schon einmal einen Sauer-Kirschenjockel im September von frischem Obst gegessen?

Lecker:
Nun zum Geschmack. Darüber lässt sich bekanntlich nicht streiten. Ich liebe Sauerkirschen und damit sind Dirndl meins. Wer Probleme mit der Kirschfruchtfliege hat und sich regelmäßig an den verwurmten Sauerkirschen „erfreut“, weg damit. Es gibt keine Kirschfruchtfliege an Kornellen, überhaupt hatte ich noch keine „lebendige“ Kornelle. Der einzige echte Feind wird die Kirschessigfliege sein, nur wer diese bei sich im Garten hat, hat noch ganz andere Probleme.

Ich möchte Dir aber auch sagen Kornelkirsche ist nicht gleich Kornelkirsche, weder in Fruchtgröße noch Geschmack und die Wildform ist definitiv eine Herausforderung.

Schön: Dazu muss ich nichts sagen oder?

Kornelle, Schönbrunner Dirndl, Kornelkirsche

Gesund:
Grundsätzlich ist die Kornelle gut für uns und mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ist sie richtig gesund.

Ein Auszug (https://de.wikipedia.org/wiki/Kornelkirsche): „Hildegard von Bingen“ 12. Jahrhundert empfiehlt den „Erlizbaum“ mit Rinde, Holz und Blättern gegen Gicht und die Früchte für den Magen.“
… und …
„In dem 1990 von dem Heilpraktiker Reinhard Schiller erschienenen Buch Hildegard Medizin Praxis werden die Kornelkirschen mit der Bemerkung aufgeführt: „Gut für Gesunde und Kranke, reinigen Magen und Darm“. Bei der Colitis, der Entzündung des Dickdarms, gibt das Buch folgendes Rezept: „Roh, als Marmelade, als Gelee, als Mus oder in jeder beliebigen Zubereitung verspeisen. Kornelkirschen reinigen und festigen den Verdauungstrakt. Innerhalb weniger Monate kann Colitis mit Hilfe von Kornelkirschen, ausschließlicher Dinkelkost und begleitender Hildegard-Therapie gelindert, sogar geheilt werden.“
… und …
„Das Rezept bei Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) lautet: „Täglich eine Portion Kornelkirschen essen, egal in welcher Form, ob roh oder gekocht, als Marmelade, Mus oder Gelee. Kornelkirschen reinigen und stärken das angeschlagene Verdauungssystem und fördern dessen Gesundheit. Mit einem einmaligen Verzehr kann man aber noch keine Wunder erwarten. Sie sind ein Langzeittherapeutikum und sollen über Monate hinweg täglich verwendet werden.“

Ok, das kann man glauben oder nicht, ein gutes Gefühl geben einem diese Aussagen trotzdem.

Anthocyane sind in allen intensiv rot oder blau gefärbten Früchten enthalten. (http://www.pflanzenforschung.de/de/journal/journalbeitrage/kurze-verweildauer-anthocyane-zersetzen-sich-schon-im-m-2202). Die dunklen Pflanzenfarbstoffe sollen den Menschen vor freien Radikalen bewahren und damit vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs schützen. Diese Wirkungen konnten mit Tierversuchen, bzw. mit kultivierten menschlichen Zellen im Labor bereits mehrfach nachgewiesen werden. Zur Zeit wird noch untersucht, ob die Kornelkirschen auch eine schützende Wirkung vor Parkinson hat (http://archiv.carstens-stiftung.de/artikel/schutz-fuers-gehirn-kornellkirsche.html).

Die Kirschen enthalten zudem nennenswerte Mengen an Kalium, Eisen und Vitamin C, so beträgt der Vitamin C Gehalt je nach Quelle zwischen 70 und 125 mg/100g, zum Vergleich der Vitamn C Gehalt einer Zitrone liegt bei 53 mg/100g. Der hohe Phytonzidengehalt verleiht ihnen zusätzlich auch eine bakterizide Wirkung.

Anspruchslos:
Viele unserer Obstbäume wie Pfirsich, Aprikose oder Birne überstehen lange Frostperioden nur selten ohne Schäden. Nicht so meine Dirndl, sie trotzt auch einem harten Winter ohne jegliche Schutzmaßnahmen und gilt als stressresistentes Obstgehölz, ich sage nur „Jo-Jo-Wetter“ im Frühjahr. Sie ist widerstandsfähig gegen Luftverschmutzung und wird von keinem bedeutenden Schädling befallen.
Sonst gibt es nichts zu sagen. Pflanzen sollte man sie natürlich genauso sorgfältig wie jeden anderen Strauch auch. Sonst braucht es nichts. Bei Trockenheit sind alle Pflanzen für Wasser dankbar.

Schnittverträglich:
Die Kornelkirsche ist ein Großstrauch und wächst relativ langsam. Besonders in den ersten Jahren geht es nur sehr langsam voran. Sie erreicht aber eine Höhe von 3 bis 8 m und kann angeblich über 100 Jahre alt werden, ein Erbstück quasi. Für unsere Hausgärten ist das aber absolut kein Problem, man kann die Kornelle schneiden (am besten direkt nach der Blüte), wenn es sein muss, kann man sie auch als Hecke ziehen (Pflanzabstand 80 cm). Bei dichter Heckenpflanzung gibt es aber weniger Früchte.

Ökologisch wertvoll:
Nichts gegen das volle Gelb der Forsythie – viel Show für nichts – ökologischen Nutzen habe ich bisher nicht gefunden. Meine Dirndl bietet neben den bezaubernden Blüten auch noch Futter, Nektar und Pollen für Bienen, Wildbienen, Hummeln und andere Insekten. Hummeln und Wildbienen brauche ich später noch, denn wer nicht selbst bestäuben möchte, braucht fleißige Helfer. Win-Win also, alles GUT.

Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V.) behauptet: „…Aber die „Blühlücke“ im Februar – März kann nur die Kornelkirsche füllen …“

Einige Schmetterlinge überwintern und benötigen im Frühjahr Nektar als Nahrung. Zum Beispiel der „Kleine Fuchs“ oder das „Tagpfauenauge“. Keine Angst deren Raupen sind keine Schädlinge, sie ernähren sich fast ausschließlich von der großen Brennnessel.

Biologischer Anbau kein Problem. Kornellen müssen kaum gedüngt werden und Schädlinge oder sonstige Krankheiten kennt sie auch nicht. Trockenheit im Sommer übersteht sie erstaunlich gut.

Giftige Pflanzenteile und Inhaltsstoffe:
Es gibt allerdings auch giftige Pflanzenteile, so können nach Berührung mit den Blättern Rötung und Juckreiz auftreten.

Sorten und Bezugsquellen:
Nachdem Obstgehölze in der Regel eine sehr lange Verweilzeit im Garten haben, wahrscheinlich steht meine Dirndl noch lange nach mir, spare ich bei derartigen Pflanzen grundsätzlich nicht. Man pflanzt, wartet einige Jahre und stellt schließlich fest, schmeckt nicht, ist die falsche Pflanze oder …. Eine Tomate bedeutet neues Jahr neues Glück, eine Brombeere mindestens zwei Jahre, bei einem richtigen Apfelbaum dauert es auch schon einmal je nach Sorte und Unterlage 5 – 7 Jahre.
Ich habe mich vor einigen Jahren für die „Gourmet Dirndl“ entschieden und es keine Sekunde bereut. Stimmt nicht ganz, diese Sorte war damals relativ schwer zu bekommen und ich war froh wenigstens ein kleines Exemplar ergattern zu können. Jetzt nach einigen Jahren sind wir ungefähr gleich groß. Wer sich für eine Kornelle entscheidet und kann, sollte besser zu einer etwas größeren Pflanze greifen. Die beste Befruchtung erhält man mit zwei Pflanzen aber, wer nicht soviel Platz hat, ich habe bisher nur eine Pflanze (aber nicht mehr lange) und ernte trotzdem jedes Jahr, also keine Panik.

Solltes du in der Gärtnerei deines Vertrauens keine Pflanzen finden – ich nehme am Affiliate-Partnerprogramm von pflanzmich und Gärtner Pötschke teil, beide bieten interessante Kornelkirschen an.

Kornelkirsche Gourmet Dirndl bei pflanzmich – Kornelkirsche Jolico bei pflanzmich

Die Jolico ist eine weitere beliebte großfruchtige Sorte. In Gegenden, in denen der erste Frost gerne schon einmal im Oktober kurz vorbei schaut, ist die Gourmet Dirndl durch ihre frühe Reife die bessere Wahl. Im Duo und mit etwas Zockerblut, gibt es eine lange Zeit frische rote Kornellen.

Wenn auch noch Platz für eine gelbe Sorte ist: Yellow!
Ich denke, das wird die meine zweite Kornelle werden. Da die Yellow etwas milder und die Fruchtreife noch etwas früher sein soll als bei der Dirndl, sieht das nach einer schönen Ergänzung für meinen Küchengarten aus.

Kornelkirsche Yellow bei Gärtner PötschkeKornelkirsche Pancharevo bei Gärtner Pötschke

Wer keine Kornellen mag, nichts da, Kornelle muss in den Garten, der Hummeln wegen. Nur, wenn es nicht auf die Früchte ankommt, dann tut es die einfache und preiswerte Wildform auch. Für eine „Insektenfreundliche Hecke“ z.B. bei  terra-pflanzenhandel.de

Fortsetzung: Kornelle in der Küche
Fortsetzung: Dirndl Fruchtaufstrich – Kornelkirschen entsteinen

 

 

3 replies »